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drei baumstämme im Wald

Das Prinzip des Selbstwertes (in menschlichen Beziehungen)

Eine „Diagnose“ die auf jeden passt und alles auf einmal erklärt lautet… du hast einen Selbstwertdefizit…! Man muss kein „Psychologe“ sein um das zu verstehen. Ein Mensch der sich selbst und anderen den jeweils gesunden Wert beimisst, ist im Frieden mit sich und seiner Umwelt. Ist ein Mensch dazu nicht in der Lage, kann man ganz allgemein feststellen, dass es hier einen Selbstwertdefizit gibt.

Je nach dem in welchen Bereichen deines Lebens dieses Defizit auftritt, erscheinen dann andere Symptome. Grund für solche Defizite sind in der Regel innere Konflikte. Das gilt für jeden Mini-kleinen Konflikt, aber auch für Menschen die jahrelange Folter ähnliche Erfahrungen durchgemacht haben. Der „Schaden“ der zurückbleibt, beeinträchtigt den für sich selbst empfundenen gesunden Wert, also den Selbstwert.

Ein Beispiel

Nehmen wir mal an, ein kleines Kind fängt an sich selber mit dem Löffel zu füttern. Die Mutter nimmt dem Kind immer und immer wieder den Löffel weg und füttert es dann selber. Auf der „Festplatte“ des Kindes wird in etwa folgendes gespeichert: “Mama gibt Aufmerksamkeit, wenn ich unselbstständig bleibe. Aufmerksamkeit ist Liebe, das unselbstständige spart uns Energie!“ Ein durch und durch erfolgreiches Überlebensmuster setzt sich durch, wird gespeichert und auf weitere Lebensbereiche kopiert.

So zieht sich diese Unselbstständigkeit dann quer durchs eigene Leben, wobei die Mutter im späteren Verlauf des Lebens dann durch Freundinnen und Partner ersetzt wird. Dies ist nur ein sehr kurzes Beispiel, welches auf ein dahinter liegendes Prinzip aufmerksam machen soll.

Echter gesunder Selbstwert entsteht durch gemachte Erfahrung. Wird diese vollständig reflektiert, lässt das den Selbstwert zusätzlich extrem schnell wachsen. Hat jemand eine Glaubensstruktur in sich, die Passivität und Unselbstständigkeit als Tagesaufgabe vorsieht, ist dies eine extrem ungünstige Voraussetzung um Selbstwert aufzubauen. Man kann in diesem Beispiel also von einem „anerzogenen Selbstwertdefizit“ sprechen, welcher sich später zum Beispiel in Form einer depressiven Symptomatik auf das emotionale Innenleben auswirkt. Natürlich ist die Realität nicht ganz so einfach gestrickt… aber im Groben kann man sich vorstellen, dass es so „funktioniert“.

Selbstwert ist der wahre Maßstab

Ich möchte einmal grundsätzlich festhalten, dass der echte Selbstwert die wahre Messlatte darstellt, die von den meisten unbewusst wahrgenommen, jedoch bewusst vollkommen ignoriert wird. Anhand des echten Selbstwertes entscheidet sich, wer in einer Gruppe das Zepter in der Hand hält (Führungskompetenz ergibt sich aus Selbstwert). Echter Selbstwert ist die entscheidende Komponente für Attraktivität. Ein Mensch mit einer authentischen, offenen und direkten Ausstrahlung (ergibt sich alles aus einem hohen Selbstwert) fühlt sich wohl in sich, und wirkt automatisch erfolgreich und anziehend.

Und so weiter und so weiter. Echter Erfolg ist eine direkte Folge von echtem Selbstwert und echter Selbstliebe. Dies sollte aber nicht mit dem aufgeblasenem, lauten und unauthentischen „Fake-Wert“ verwechselt werden.

 

Selbstwert als Messbarometer

 

Mit Hilfe dieser beiden Pyramiden möchte ich den jeweiligen Selbstwert von Menschen darstellen. Mit der jeweiligen Stufe wird die Höhe des gesunden Selbstwertes bemessen.

  1. Vollständig unlimitierter Selbstwert
  2. Nur leichte Selbstwertdefizite
  3. Durchschnittlicher Selbstwert der Bevölkerung
  4. Unterdurchschnittlicher Selbstwert
  5. Schwerste Selbstwertdefizite

Die folgenden Pyramiden-Grafiken sollen verdeutlichen, wie sich ein ausgeglichener Selbstwert auf eine Beziehung auswirkt.

Beide Partner haben in etwa den gleichen gesunden Selbstwert. Beide haben ähnliche Defizite (Prinzip der Resonanz). Die Beziehung ist eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe.

Beide Partner fühlen sich sicher, und verhalten sich im besten Falle dem anderen gegenüber wachstumsförderlich . Es geht nicht darum, den anderen zu kontrollieren oder zu besitzen, denn beide fühlen den gleichen Wert in sich, wie sie ihn auch bem anderen fühlen. Der Partner wird nur selten als Ersatzbefriedigung für andere Bedürfnisse „missbraucht“. Die Partnerschaft läuft im Idealfall harmonisch, und beide entwickeln sich unabhängig, um ein größeres gemeinsames Ziel zu erreichen.

Wachstum und fördern statt fordern. Die bedingungslose Liebe ist hierbei das angestrebte Ideal.

 

 

Einer der beiden Partner hat einen höheren Selbstwert. Natürlicherweise fühlt er sich zu Menschen mit gleichem oder höherem Selbstwert hingezogen. Menschen mit niedrigerem Selbstwert werden (im extremen Fall) als oberflächlich, anstrengend, verkrampft, narzisstisch, unreif und energieraubend wahrgenommen.

Der Partner mit dem niedrigeren Selbstwert fühlt, dass der Partner eigene Defizite problemlos ausgleichen kann. Dies benötigt weniger Energie, als das selbstständige Lösen von inneren Konflikten (die Ursache für Selbstwertdefizite). Dadurch entsteht eine Abhängigkeit und damit einhergehend die Verlustangst. Eine Trennung würde Konfrontation mit den zu vermeidenden „Baustellen“ bedeuten und muss um jeden Preis vermieden werden. Der aus Angst motiviert handelnde Mensch wird wahrscheinlich versuchen, seinen Partner mit manipulativen Mitteln zu halten. Eine Trennung wird in der Beispiel Konstellation für „Ihn“ sehr befreiend sein, für „Sie“ hingegen aber der absolute Zusammenbruch.

Beziehungen, in denen der (scheinbar) „höhere“ Partner die ungleiche Situation mit Absicht aufrecht erhält, sind in ihrem Selbstwert-Level insgesamt eher auf Stufe vier bis fünf anzusiedeln. Partnerschaften auf diesem Level funktionieren nur aufgrund des „Spiels mit der Verlustangst“. Alles im Beziehungsleben dieser Paare dreht sich um das Erreichen der „Kontroll- Position“. Eine extrem ungünstige Konstellation die schnellstmöglich verändert werden sollte.

Fazit

Der lange Weg aus jeglicher Beziehungsmisere lautet also: “Gehe raus und fange an dir ein Leben aufzubauen, das man auch Leben nennen kann. Suche dir Hobbys, treibe Sport, oder gehe einfach nur im Wald mit Bäumen reden.“

Jeder Schritt den du Eigenverantwortlich für dich und zwar nur für dich, unabhängig von ihm machst, stärkt deinen Selbstwert. Wenn du dann den dritten Abend die Woche unterwegs bist, um dich mit den Mädels zu treffen die du vorgestern im Pilates-Kurs kennengelernt hast, wird er das sicherlich registrieren.

Dies ist ein Weg um erst einmal eine Grundlage herzustellen, auf der du für für deinen Partner wieder wie begehrenswert wirkst. Natürlich bedeutet eine Partnerschaft auch, sich gegenseitig in schlechten Zeiten beizustehen. Jedoch sollte dies kein unausgesprochener Normalzustand sein.

Möglicherweise befindest du dich grade in einer Vortrennungsphase, und deine Erkenntnis kommt zu spät. Mit dem Aufbau eines gesunden Selbstwertes hast du ideale Vorbedingungen geschaffen, falls es zur Trennung kommen sollte.

Falls du es möglicherweise sogar schaffst dir einen höheren echten Selbstwert aufzubauen als dein Partner, wird sich die Konstellation vollständig umdrehen. Er wird da sitzen und hoffen, dass du ihn vielleicht doch noch heiratest. Du wirst wahrscheinlich wenig Lust dazu verspüren.

 

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