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Eine Junge Frau auf einer Bank vor einem Sonnenuntergang am See

Die kognitive Dissonanz ist die Wurzel des Bösen

Warum haben wir unkontrollierbare Gefühlsausbrüche? Eben war noch alles harmonisch und einen Augenblick später wird geschrien und gestritten, als ob das eigene Leben davon abhinge. Dahinter steckt ein relativ einfach zu verstehender „psychischer Mechanismus“, die kognitive Dissonanz. Wenn du diesen vollständig verstehst, kannst du fürchterliche Beziehungsfehler in Zukunft vermeiden.

Der Kopf, ein sich schützendes System

Nehmen wir einmal an, wir würden deutlich weniger „zivilisiert“ leben. Statt Geländer, müssten wir selber aufpassen das wir nirgendwo herunterfallen. Für diesen Zweck wäre es doch praktisch, wenn wir ein imaginäres Geländer im Kopf hätten. Wie eine unsichtbare Barriere hält sie uns zuverlässig auf, den finalen Schritt ins Leere zu machen. Ob wir nun aufpassen oder nicht.

Und genau das haben wir. Allerdings wirst du es eher von einer negativen Seite her kennen. Nämlich dann, wenn du etwas machen möchtest aber die Barriere im Kopf lässt dich nicht. Was ist da los?

Unser psychisches System wird permanent mit einem Informationsstrom gefüttert. Im Verarbeitungsprozess wird intern direkt nach Wichtigkeit und Relevanz sortiert. Warum bringen uns manche dieser Informationen dazu emotional vollständig auszuklinken?

Weil eine neue Information, die das bestehende System entweder vollständig oder nur Teile davon in Frage stellt, abgestoßen wird. Kampf, Diskreditieren des Informationsgebers oder der Information, und im schlimmsten Falle Mord, Totschlag oder Suizid können die Auswirkungen sein. Wer stirbt eher, die neue Information oder das bestehende System?

Ursprünglich war dieser Mechanismus dazu da, uns vor lebensgefährlichen Gefahren zu schützen. Ursprünglich haben wir allerdings auch in einem harmonischen Miteinander gelebt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Im Stadtverkehr wechselt der Vordermann scharf die Spur. Der Geschnittene beginnt seine Schimpftriade mit einer kräftigen Massage seine Hupe. Anschließend eine drohende Faust, gefolgt von einem Mittelfinger.

Die kognitive Dissonanz sitzt genau in dem Moment, in dem der Vordermann die Spur wechselte. Der geschnittene Fahrer kann die Information „knapper ungeplanter, unabwendbarer Spurwechsel des Vordermanns“ nicht zulassen. Daher wird diese Information abgewehrt, der Informationsüberbringer wird als unglaubwürdig herabgestuft (drohen, Mittelfinger). Eine Information, überbracht durch Jemanden der keine Glaubwürdigkeit besitzt, ist so gut wie keine Information. Die Integrität des Glaubensgebäudes bleibt bestehen.

Wem nutzt das? Im Grunde niemandem. Es ist nicht einmal so, das sich Menschen die sich über so etwas aufregen besser verhalten würden. Nach meiner Beobachtung legen Menschen ein Verhalten, dass sie bei anderen kritisieren häufig selber versteckt in der einen oder anderen Form an den Tag.

Ein anderes Beispiel

In einer Partnerschaft kommt der Mann nach einem netten Abend mit seinen Jungs angetrunken nach Hause. Die Frau riecht die Fahne, fängt an zu schimpfen, der Haussegen hängt schief und „Er“ darf auf der Couch schlafen.

Ihre Kognitive Dissonanz sieht in etwa folgendermaßen aus. Der Informationsüberbringer stellt die Information „ich bin angetrunken und du kannst nichts dagegen tun“ als Tatsache in den Raum. Damit beweist er, dass der Informationsempfänger bei weitem nicht den Grad an Kontrolle hat, den er glaubt zu haben. Das wiederum ist ein direkter Angriff auf das Selbstbild und Rollenverständnis der Empfängerin. Die Information muss also perse abgewehrt werden, da sie die Integrität der geglaubten eigenen Persönlichkeit in Frage stellt.

Ich persönlich bin der Meinung, das eine einfache Information einen echten Selbstwert nicht erschüttert, sondern zum Wachstum und zur Korrektur auffordert.

Die Frau aus dem Beispiel könnte auch folgendermaßen reagieren. „Hallo Schatz. Dein alkoholisierter Zustand wirkt sehr abstoßend auf mich. Du bist vulgär und höchst unattraktiv. Außerdem erinnerst du mich an meinen alkoholkranken Vater. Du schläfst heute auf der Couch und morgen erzählst du mir was dich dazu gebracht hat, meine Gefühle als weniger wichtig, als deinen Rausch zu bewerten.

Ich bitte den Leser an dieser Stelle um Unterscheidungsvermögen. Natürlich ist diese Reaktion in der Realität einigermaßen unrealistisch. Es geht mir um das dahinterliegende Prinzip. Im Kern möchte ich verdeutlichen, dass der Stress immer wieder durch eine nicht akzeptierbare Information ausgelöst wird. Offenen Geistes zu sein bedeutet im Kern also neue Informationen zunächst neutral und nach Möglichkeit im Sinne des Wachstumspotenzials zu bewerten.

Die Wurzel des Bösen ist ein Prinzip!

Philosophen und Denker aller Zeiten haben sich darüber Gedanken gemacht wie das Böse in diese Welt kommt. Was die Ursache des Negativen ist.

Solange wir versuchen das Böse zu „Objekt- oder Subjektivieren“ werden wir immer nur die Auswirkungen des Bösen beobachten können. Das Böse versteckt sich in einem Prinzip. Im Wesentlichen steckt es in der Option „Nein“ sagen zu können. Nein zu Informationen, die eigentlich unser Leben harmonisieren würden.

Das Paradoxe ist, dass wir versuchen Informationen die faktisch vorhanden sind, als nicht vorhanden zu bewerten. Alleine die Tatsache das wir uns aufregen bedeutet dabei, dass wir bereits zugestimmt haben das die Information existiert, um im zweiten Schritt mit viel Aufwand zu sagen „Diese Information existiert nicht!“. In diesem Kontext bedeutet „Nein“ zu etwas zu sagen im Kern in etwa folgendes zu sagen: „Ja, die Information ist unvermeidbar korrekt, jedoch gefällt mir die Konsequenz die diese Information für mein Leben hat nicht.“

Die Wurzel des Bösen ist ein Prinzip… ein ungünstig, konditionierter Mechanismus in unseren Köpfen. Wir können diesen Mechanismus spielend austricksen, indem wir uns eine durch und durch authentisch, liebevolle Weltsicht aneignen. Ein Riesen Schritt in Richtung Ganzwerdung.

3 thoughts on “Die kognitive Dissonanz ist die Wurzel des Bösen

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