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Das Drama-Dreieck als schematische Darstellung

Das „Drama-Dreieck!“ Täter – Opfer – Retter

Ich war damals in einer toxischen Beziehung. Wie es in solchen Beziehungskonstellationen üblich ist flogen bei uns oft die Fetzen. Irgendwann in diesem Chaos wurde mir klar, dass sie mich immer wieder zum Opfer macht. Es dauerte nicht lang bis ich erkannte das, dass auch andersherum der Fall war. Ich konnte die Mechanismen erfühlen welche bereits im kleinen dafür verantwortlich sind, wer von uns welche Rolle einnimmt. Und dann das „Aha„, als mir klar wurde das ich mich selber zum Opfer oder Täter mache.

Als nächstes versuchte ich unser unglückliches Spiel während der Eskalation schon zu beenden… und wurde damit zur dritten Partei. Dem Retter!

Der unfähige Retter

In bester Absicht versuchte ich unser Kuddelmuddel aktiv aufzuklären und zu entschärfen. Es brauchte eine Weile bis ich merkte das ich damit im Endeffekt genauso zudringlich bin wie der Täter und das mein Aufklären lediglich dazu dient mich moralisch über eben diesen zu stellen.

Die Position des Retters taugte also eben so wenig. Die Beziehung ging irgendwann in die Brüche, aber das Prinzip hinter diesem typisch, menschlichen Verhaltensmuster habe ich seid dem verinnerlicht. Wenig später stieß ich dann auch auf die entsprechende Theorie hinter der Praxis meiner Erfahrungen. Das „Drama-Dreieck“.

Das Drama-Dreieck als schematische Darstellung (mit 50% Weichzeichner)

„Im Drama Dreieck gibt es keinen festen Anfang oder Einstieg und auch kein feststehendes Ende. Ebenso schnell können sich die eingenommenen Positionen wieder verändern. Im Laufe dieses Musters kann es zu plötzlichen Rollenwechseln kommen“

Dramadreieck – Wikipedia

Jede Münze hat zwei Seiten

Das gilt natürlich auch für das Drama-Dreieck. Es geht sehr viel mehr um ein völlig, natürliches Verhaltensmuster des Menschen. Man kann nämlich die Position des Täters auch als „Sender“ benennen. Die des Opfers als „unbewussten Empfänger“ und die des Retters als „bewussten Empfänger“. (Also als „System“, „Schlafschaf“ und „Erwachter“ [Oha, da glüht der Alu-Hut]). Wann immer eine der drei Positionen aktiv wird, können sich die anderen Positionen entscheiden ob Sie mit spielen wollen oder nicht.

Der unbewusste Empfänger ist nicht im Stande die gesendete Information auszufiltern. Er reagiert und interagiert unbewusst gezwungenermaßen. Der bewusste Empfänger versteht die Sub-Ebene der Information und reagiert entsprechend seiner Absicht. Auch hier wechseln die Positionen der einzelnen beteiligten abhängig vom Erfahrungsstand.

Fest halten möchte ich an dieser Stelle, das es nicht darum geht das Drama-Dreieck zu bekämpfen oder ähnlich. Es handelt sich hier um ein wirkendes Prinzip in der Realität. Es zu kennen und genau zu verstehen macht den Unterschied. Im Grunde wäre der Name „Verhaltens-Dreieck“ schlüssiger. Bei der Betrachtung der Realität durch die Brille des „Drama-Dreiecks“ geht es also im Kern um dramatische, meist negative Situationen. Ein Positives Drama-Dreieck kann man auch einfach als „Gespräch“ bezeichnen.

Sich wiederholende Verhaltensmuster

Der entscheidende Unterschied ist, dass ein positives Dreieck eine Wachstums und Lebens förderliche Ausrichtung hat. Alle Beteiligten werden die gemeinsame Erfahrung bereicherter verlassen, als sie sie betreten haben (auch wenn der Gewinn nur sehr niedrig ausfällt). Bezieht man jetzt noch die Tatsache das die Positionen innerhalb des Dreiecks wechseln mit ein, könnte man von einer in Wachstums Richtung rotierenden Dreiecks-Konstellation sprechen (Eine Aufwärtsspirale, oder Wirbel 😉 [da glüht die Lebensblume] ).

Reproduziert werden beide Muster, bis die vollständige Lernaufgabe gemeistert wurde. Bei den positiven Mustern macht uns das natürlich nichts aus, die negativen sind die, die wir mit Hilfe des Drama-Dreiecks auflösen sollten.

Das Dreieck auflösen und das Spiel verlassen

Von ganz alleine passiert das, indem wir alle drei Positionen bewusst in ihrer Wechselwirkung wahrnehmen. Wir müssen den eigenen Anteil an den jeweiligen Spielen erkennen. Das bedeutet in erster Linie die Erkenntnis dessen zu zulassen. Die meisten entlarven sich nicht gern selbst als Täter.

Leichter wird es wenn man wieder die Vokabeln ändert und von einem „Sender“, einem „unbewussten“ und „bewussten Empfänger“ spricht. Wenn ich alle drei Positionen einmal vollständig emotional und rational verstanden habe, werde ich das Interesse am gesamten Spiel verlieren und mich so vollständig aus der Resonanz lösen können (Fieldtestet – True Story).

Zumindest für die kleinen Alltagsdramen kann man das so stehen lassen. Was die heftig traumatischen Dramen angeht… da müsste man den Einzelfall betrachten. In der Theorie also alles ganz einfach…

…und in der Praxis?

Helfen mir ein paar einfache Dinge immer weiter.

Zunächst einmal sehr banal aber dennoch enorm effektiv. Das laute aussprechen der Bewertung „Interessant“.

„Oh, interessant, ich fühle mich durch das verhalten meiner Partnerin dazu berechtigt sie anzuschreien! Will ich das?“

Durch die bewusste Entscheidung sich für das aktuelle Geschehen zu „Interessieren“ anstatt es wegzudrücken, dreht man sich bereits in sich um. Man geht von einer Angst motivierten in eine durch Liebe motivierte Emotionalen Haltung über. Man verlässt das Dreieck also bereits in sich.

Um die Situation weiterhin zu klären frage ich mich ganz bewusst.

„Was ist das Wesentliche an meiner aktuellen Position in der aktuellen Erfahrung?“

Die Bewertung „wesentlich“ trägt in sich die Qualität ganz direkt nach dem eigentlich Substanziellen Inhalt zu fragen. Beantwortet man sich diese Frage ehrlich, bekommt man einen deutlich klareren Überblick. Häufig erkennt man hier auch schon die ersten unschöneren eigenen Beteiligungen am Geschehen. Das A und O ist nicht über den Stolperstein zu fluchen, sondern dankbar zu sein.

Nach der Erkenntnis geht es darum sich aktiv auf produktive Art mit dem Geschehen auseinander zu setzen. Ist dies in der „Realität“ nicht möglich, kann man das in seinem Innern tun. Hinter jeder offensichtlichen Erkenntnis verbirgt sich in der Regel eine weitere weniger, offensichtliche und so weiter. Ob man wirklich jede Facette des Spiels verstanden hat, merkt man spätestens wenn man einfach aufhört von allein motiviert oder sogar unkontrolliert Energie in eine Situation zu geben und sie so aufrecht zu erhalten. Die eigene Resonanz löst sich auf und man kann die negativ Spirale verlassen.

Das negative Dreieck besteht im Kern weil eine gefühlte Unebenbürtig entweder direkt oder indirekt vorhanden ist, aber nicht akzeptiert wird.

Fazit

Jede Interaktion mit unserem Umfeld setzt den Einstieg in ein wie auch immer geartetes „Drama-Dreieck“ voraus. Positive „Lebensförderliche“ Absichten erschaffen positive Aufwärtsspiralen. Negative oder „Lebensfeindliche“ Absichten erschaffen negative  Abwärtsspiralen. Man könnte auch Hochfrequente und Niederfrequente Prozesse sagen. Falls du dich aktuell in einer Lebensfeindlichen Negativen Spirale befindest, solltest du deine Wahre Absicht hinterfragen. Mehr dazu in diesem Artikel: „Akute Orientierungslosigkeit? Erste Hilfe!!“ unter der Überschrift „Saubere Prozesse! Auf der Lüge wächst der Unfrieden“.

„Saubere Prozesse! Auf der Lüge wächst der Unfrieden“

Niederfrequente Prozesse werden häufig aufrecht erhalten, da wir einen wie auch immer gearteten Gewinn nicht aufgeben wollen. Häufig liegt auch dieser Gewinn im unbewussten und verdrängten Bereich der Psyche. Sind wir bereit diesen aufzugeben, sind wir in der Lage unseren Gesamtanteil an der Situation zu erkennen. Durch den nicht mehr notwendigen Krankheitsgewinn kommt man in sich in eine ebenbürtige Position und ist so in der Lage die Situation zu verlassen.

1 thought on “Das „Drama-Dreieck!“ Täter – Opfer – Retter

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