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Die Sache mit dem Wahn

Wir benutzen das Wort Wahn in unserem täglichen Leben häufig. Sich einmal genau damit auseinander zu setzen, was mit Wahn im psychologischen Sinne gemeint ist, kann sehr schmerzhaft aber auch erhellend sein.

Der Wahn beziehungsweise eine bestimmte Wahnvorstellung ist eine, die Lebensführung behindernde Überzeugung, an welcher der Patient trotz der Unvereinbarkeit mit der objektiv nachprüfbaren Realität unbeirrt festhält. Dies kann eine Störung der Urteilsfähigkeit zur Folge haben.
Wikipedia

Person A sagt also Kohle ist schwarz und Person B sagt Kohle ist weiß. Da Person A eine Wahrnehmung beschreibt die die meisten Menschen teilen, kann Person A über Person B sagen Sie unterliege gerade einem Wahn.
Nun fängt Person B an zu argumentieren und sagt: „wenn die Kohle glüht ist sie rot und anschließend ist sie weiß“.
Dies wiederum nennt man Wahnarbeit, und tritt in der Regel als sekundäre Symptomatik zu einem anfänglichen Wahn hinzu. Das Wesentliche hierbei ist, dass der unter einem Wahn leidende Mensch hierbei anfängt Gründe und Argumente zu finden warum sein Wahn eben kein Wahn ist.

Person A reagiert auf die Argumente von Person B in dem sie weiterhin standhaft darauf beharrt, das Kohle immer und auf jeden Fall schwarz sei. Daraufhin argumentiert Person B und sagt: „Kohle ist nur in bestimmten Aggregatszuständen schwarz, in anderen ist sie weiß bzw. rot glühend, und dementsprechend werde ich auch die Farbe der Kohle benennen.“

Jetzt befindet sich Person B in einem Wahnsystem. Hierbei ist die Wahnarbeit bereits so weit fortgeschritten, dass sich die Person in einem in sich geschlossenen argumentativen Kreislauf befindet und diesen nicht mehr verlassen kann.

Wer von den beiden Personen tatsächlich in einem Wahn ist, darf der Leser an dieser Stelle selbst entscheiden.

Wichtig ist das wir verstehen, dass wir alle tagtäglich Wahnarbeit leisten, Wahnsysteme weiterbauen und mit Leben befüllen. Entscheidend ist in welche Richtung sich diese Arbeit und diese Systeme entwickeln, und ob uns dies in unserer Lebensführung fördert oder beeinträchtigt.
Weiterhin ist wichtig, wie tief wir uns in unseren jeweiligen Wahn herein begeben, und ob wir bereit sind jederzeit unsere Wahnsysteme als solche zu erkennen und über Bord zu werfen.

Die Argumentation mit dem Wahn ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Denn je nachdem wer als glaubwürdiger bewertet wird, dessen Wahn wird von der Mehrheit mit geglaubt.

Übrigens, der „Religiöse Wahn“ wird in großen teilen der Gesellschaft nicht als Wahn angenommen da er zum Großteil als „Seltsam aber OK“ bewertet wird.

Ich möchte euch abschließend noch folgende Zeilen über den „induzierten Wahn“ aus Wikipedia zum Verdauen anbieten. Der aufmerksame Leser wird sehr schnell merken, dass man mit der Diagnose „Wahn“ und „induzierter Wahn“ einfach jeden sehr schnell als unglaubwürdig dastehen lassen kann.

• Induzierter Wahn – Folie à deux

Selten tritt eine so genannte „Induzierte wahnhafte Störung“ auf, auch symbiotischer Wahn oder Folie à deux genannt. Hier übernimmt ein enger Angehöriger, der viel Zeit mit einem unter einer Wahnsymptomatik leidenden Menschen verbringt, meist also der Lebenspartner, die Wahnideen des Betroffenen. Durch soziale Isolierung und eine zunehmend als feindlich oder bedrohlich empfundene Umwelt wird das gemeinsame Wahnerleben verstärkt; der Wahn schafft Gemeinsamkeit und Kommunikation. Bei einer vorübergehenden Trennung der Personen wird dann meist ein rascher Rückgang der wahnhaften Symptomatik bei der Person mit dem induzierten Wahn festgestellt. Da Kinder bis zum älteren Schulalter in der Regel ihre Einschätzungen der Realität von den Eltern übernehmen, sind sie besonders gefährdet, in den Wahn von Eltern einbezogen zu werden und daran teilzuhaben (konformer Wahn). Ein dem Wahninhalt entsprechendes Verhalten des Kindes wirkt dann als Bestätigung für den Wahn der Eltern. Für Kinder kann eine solche Konstellation schwerwiegende Folgen haben. Ist beispielsweise ein Elternteil überzeugt, dass das Kind psychisch verändert oder gestört sei, besteht die Gefahr, dass das Kind diese Überzeugung in sein Selbstbild, sein Erleben und Verhalten übernimmt. Dadurch kann es dazu kommen, dass Psychologen oder Psychiater beim Kind eine Identitätsstörung feststellen. Im Zusammenhang mit dem induzierten Wahn wird vermutet, dass auch falsche Erinnerungen beispielsweise bezüglich eines sexuellen Missbrauchs entstehen können („false memory syndrome“).

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